Donnerstag, 25. Oktober 2012

Willkommen auf der Lichtblick!-Ausstellungsseite



Auf dieser Seite gibt es (fast) alle Photos der Ausstellung zu sehen. Bitte einfach die Seite durchscrollen (Achtung, es gibt noch eine zweite Seite! Bitte ganz unten rechts auf "Ältere Posts" klicken!) oder auf der Leiste rechts direkt zum gewünschten Photo springen.

Bei jedem Bild finden sich ein paar Infos des Künstlers - mal nur eine kurze Notiz, mal eine etwas längere Erläuterung. Wenn es noch Fragen gibt, bitte einfach einen Kommentar hinterlassen. Darüber hinaus freuen wir uns aber auch über jede Art von Feedback - Anmerkungen, Kritik, Lob - nur her damit!


Für alle, die nicht bei der Eröffnung dabei waren, noch eine allgemeine Anmerkung zur Ausstellung:


Warum sind alle Photos auf Leinwand gezogen - wäre ein echter Photoabzug nicht besser? Oh ja, das wäre viel besser gewesen! Aber wir konnten uns das nicht leisten. Zwar haben wir vom BSG und Inge Mussler große Unterstützung bekommen und auch die SV mit Herrn Wolff von der Sahl hat uns einen Zuschuss gewährt - nur dadurch wurde die Ausstellung überhaupt ermöglicht. Andererseits hat es aber auch nicht für FineArt-Prints gereicht, sondern "nur" für Leinwände - und auch das nur, weil uns die Firma artido einen kräftigen Nachlass eingeräumt hat. Für Leinwände ist die Qualität aber sehr gut und wir hoffen, dass das die Freude an den Photos nicht trübt.


Alle Photos sind ausschließlich innerhalb von Lichtblick! entstanden. Bei jedem Photo ist vermerkt, zu welchem Thema es aufgenommen worden ist.


Vielen Dank für das Interesse!


Das Ausstellungs-Team von Lichtblick!

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Steine (Katja Wolf)



Thema: Steine

Als das Thema damals ausgewählt wurde, musste ich gleich an ein Kindermärchen denken, das sicherlich jeder kennt...

Nachdem klar war, wo die Fotos gemacht werden sollten, ging es mit den Kids los. Das Ganze hat so Spaß gemacht, dass knapp 1000 Fotos geschossen wurden. Da war es gar nicht so einfach zu entscheiden, welches es denn nun "sein sollte". Ein Handvoll kamen in die engere Auswahl, die entsprechend bearbeitet und "auf alt getrimmt" wurden.

Und für alle, die noch überlegen, um welches Märchen es sich da handeln könnte, in dem Steine eine Rolle spielen - Hänsel und Gretel.

Warum? (Michael Kaiser)

Warum?
Nüchtern betrachtet ist das Thema des Bildes ein aufziehender Regen über dem Punta di u Diamante auf Korsika. Das für den entsprechende Lichtblick gestellte Thema findet sich sehr konkret in der Frage des betroffenen Radfahrers: "Warum muss jetzt ausgerechnet schlechtes Wetter aufziehen?". Oder vielleicht nur geringfügig abstrakter: "Warum regenet es in Korsikas Gebirge so oft nachmittags, und gegen Abend ist es wieder schön sonnig als ob nichts gewesen wäre?". Nochmals abstrakter könnte dann wieder die Frage sein: "Warum kann so eine schöne Umwelt nicht einfach so bleiben wie sie ist, warum brauchen wir unbedingt eine Autobahn und einen Hotelkomplex, um alle dann dort zu sein, wo es dann nicht mehr ist, wie es war?".


Aufgenommen mit einer Canon PowerShot G11, Blende F/2.8, Belichtungszeit 1/1250 Sekunde, ISO 80. Panorama erstellt aus 3 Teilbildern mit Autopano Pro.

Dunkle Wege - Wege (Michael Kaiser)

Das spannende an unserem Lichtblick sind ja nicht nur die Fotos, die dabei entstehen, sondern insbersondere auch, die Wege kennenzulernen, auf denen sie entstanden sind. Dazu sind unsere regelmäßigen Treffen die allerbeste Gelegenheit, genau dies zu erfahren.

Manchmal ist es eine sehr genaue Vorstellung, die verfolgt wird, eine genaue Planung und eine präzise Umsetzung, die zum bewunderten Ergebnis führt. Manchmal gibt es zum Glück neben der Idee über das Motiv auch schon konkretere Einfälle dazu, wo ein entsprechendes Szenario zu finden sein wird und wie es dann nicht nur dokumentiert, sondern auch künstlerisch überzeugend gebannt werden kann. Schwieriger wird's natürlich in den Fällen, in denen das nicht so zielstrebig läuft, der nächste Lichtblick-Termin näher rückt und viele eigentlich hübsche Wege noch zu keinem atemberaubenden Ziel geführt haben. Das sind dann die Tage, in denen es dann gilt, mit offenen Augen durch den Alltag zu gehen und darauf zu hoffen dass das richtige Motiv noch des Weges kommt.

Im Falle des Themas "Wege" war mir das im Lichtblick präsentierte Foto erst am Morgen des Lichtblick-Tags bei der Fahrt mit Fahrrad zum Löwentor vor die Linse geraten:


Wege
















Für den Termin war ich damit eindeutig gerettet!

Bis wir an diesem Lichtblick-Termin (im April) alle unsere Bilder gezeigt und besprochen hatten, war es natürlich schon dunkel geworden, so dass ich erst spät wieder an meiner Wegmarkierung vom Vormittag vorbei gekommen bin:

Dunkle Wege
Der Lichtblick bringt uns also offensichtlich dazu, unsere Motive noch unter ganz neuen und ungeahnten Aspekten zu betrachten.

Aufgenommen mit einer Canon PowerShot G11, Blende F/2.8, Belichtungszeit 1/100 Sekunde, ISO 80 mit Hilfe eines Fahrradscheinwerfers.

Licht (Michael Kaiser)

Licht
Erice im Westen Siziliens ist schon alleine durch seine außergewöhnliche Lage oben auf einem über 700 Meter hohen Berg ein beliebtes Ziel für Touristen. An diesem Abend im September hatte es aber wirklich alles aufgeboten, um die Speicherkarte meines Fotoapparats zum Überlaufen zu bringen. Zuerst waren es die atemberaubenden Aussichten von knapp vor dem Abgrund und unter den über dem Berg wirbelnden Wolken, die gefühlt nur um Haaresbreite über die Hausdächer schrammten. Dann schnell zum gigantischen feurigen Sonnenuntergang über dem Meer und den Salinen von Trapani. Und dann - nach all der Hatz nach den so schnell vergänglichen, sich sekündlich ändernden Motiven - der Zauber des Städtchens, wie es nun schon irgendwie eine Ewigkeit hier oben zu sein scheint. In der Ferne noch vereinzelte Schritte der letzten Touristen, und hier liegt es nun ruhig in der blauen Stunde, eines der Altstadtgässchen.

Das Foto ist mit prinzipiell wenig speziellem Equipent entstanden. Ein Stativ wäre eigentlich in so einer Situation ratsam. Wenn man es nun leider nicht dabei hat, ist eine Möglichkeit, den Fotoapparat irgendwo aufzulegen, was aber natürlich die Wahl der Perspektive deutlich einschränken könnte. In diesem Fall war deshalb das Verfahren, einfach aus der freien Hand zu fotografieren. Das ist bei der Belichtungszeit auf jeden Fall grenzwertig: Bei freihändigem Fotografieren sollte man jedenfalls lieber eine größere Anzahl von Aufnahmen anfertigen, damit überhaupt eine Chance auf ein ordentliches Ergebnis besteht.

Dies ist das Original, wie es für das Lichtblick-Thema erstellt, ausgewählt und präsentiert wurde. Das Foto in der Ausstellung entstand durch versehentliches Bestellen im Querformat. Auch der dort gezeigte Ausschnitt ist sehr reizvoll. 


Aufgenommen mit einer Canon PowerShot G11, Blende F/2.8, Belichtungszeit 1/5 Sekunde, ISO 80.

Wendeltreppe - Wege (Axel Niering)

Wendeltreppe (Wege)
Dieses Bild war eine alternative Idee für das Thema "Wege". In erster Linie hatte ich hier die geometrische Wirkung von Wendeltreppen im Kopf, wie man sie z.B. häufig in Leuchttürmen findet. Leider gibt es im Stuttgarter Raum so wenige Leuchttürme und ein längerer Urlaub war nicht in Sicht.
Aber ich war bei Freunden im Fichtelgebirge zu Gast und dort im Porzellanikum Selb, einer ehemaligen Prozellanfabrik, fand ich plötzlich diese Treppe.

Die Person auf der Treppe ist durch lange Belichtungszeit unscharf dargestellt. Sie durchbricht die reine Geometrie und verleiht dem Bild Dynamik. Wege sind letzten Endes nur deswegen Wege, weil sie jemand benutzt. Das wollte ich unbedingt mit darstellen.

Das Bild hat auch am Clubwettbewerb "Zu Fuß" des Fotoclubs Objektiv Herrenberg teilgenommen und dort den ersten Platz belegt.

Dienstag, 23. Oktober 2012

WenigstensKunst. (Leo Schopf)

Lichtblick! "Warum"
Von Zeit zu Zeit fragt man sich im Leben, warum manche Dinge passieren.
Naturgemäß geschieht dies eher bei negativen Ereignissen.

Das Zerbrechen eines (wenn auch geschichtsträchtigen) Colaglases ist sicher nicht bedeutend für den Fortgang unserer Tage. Aber umso erstaunlicher erscheint es mir, dass auch durch Bruch und Zerstörung etwas neues, schönes, einzigartiges entstehen kann: Kunst, geschaffen für eine Ewigkeit. Unzerstörbar. Weil im Kopf.


Man muss nur den Blickwinkel verändern. Und sehen, was da tatsächlich vor einem liegt. Oder liegen könnte. Wenigstens Kunst.

Inchcaillochlomond. (Leo Schopf)

Lichtblick! "Zahlen in der Natur"
Wer meint, mithilfe von Zahlen Ordnung in die mächtige Natur bringen zu können, irrt.

Die Insel haben laut Taxibootskipper an dem Tag 6 Menschen besucht. Wir waren 2 davon. Als strenges Naturschutzgebiet kann die "Insel der alten Frau" nur über zwei Pfade durchquert werden. Diese führen durch beinahe unwirkliche Szenerien: bluebell- und wild garlic Felder. Sümpfe mit modernden Baumstümpfen. Überreste eines Friedhofes. Um den Besuchern dieser einmaligen Landschaft die Umgebung näher zu bringen, wurden Stationen geschaffen - an unscheinbaren oder gerade überwältigenden Stellen. Markiert, mit Zahlen an einem Pfosten. Dort können Erläuterungen zu dem gelesen werden, was man sieht. Oft wird erst dadurch der Blick für das Detail geschärft - oder der Gesamtzusammenhang klar.

Inchcailloch verlässt man nicht als anderer Mensch.


Aber die Zahlen helfen, die verschiedenen Facetten eines Flecken Erde in der Erinnerung zu festigen. Und schon hat sich der eigene Horizont und damit das persönliche Bewusstsein verändert. 



Trier (Harald Brunner)


Thema: Licht

Ein besondere Aufgabe: Durch einen Kurzurlaub bin ich ein paar Tage nach Trier gelangt. Eine sehr schöne Führung in den "Kaiserthermen" führte uns in den Untergrund und brachte dieses Bild an das Tageslicht

Nach-Wuchs (Holger Haug)


(Thema: Kontrast)

Was mich immer wieder fasziniert, wenn ich in der weiten Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern unterwegs bin, sind diese uralten Bäume.

Weiden an Bächen und Seen, riesige Buchen in großen Laubwäldern, oder uralte Eichen, die allesamt schon mehr Zeiten kommen und gehen gesehen haben als ein Mensch in seinem vergleichsweise kurzen Leben je erleben wird...

Auch diese Bäume waren Anfangs nur Keimlinge und irgendwann mal kleine Puschelbäumchen.

Daran erinnerte mich diese Szene. Eine uralte Weide einerseits, frische kleine Bäumchen andererseits. Welcher Kontrast!
Die Weite der Landschaft auf der Insel Usedom an diesem wunderschönen, eiskalten Wintertag, forderte geradezu das Panoramaformat, den maximal möglichen Kontrast zwischen Bildhöhe und Bildbreite.

Würdevoll (Holger Haug)


Ein Denkmal! Vom Bildhauer, dem Dänen
Bertel Thorvaldsen im Jahre 1839 würdevoll in Szene gesetzt, schaut Friedrich Schiller auf dem nach ihm benannten Platz, direkt am alten Schloß in Stuttgart. Über dessen Entstehung handelt das von Thorwaldsens Landsmann Hans Christian Andersen verfasste Märchen Die alte Kirchenglocke. Im Hintergrund die Stiftskirche...


mehr darüber unter:

Zum Lichtblick Thema "Schlichte Würde" hatte ich sofort ein Denkmal vor Augen. Schnell verdichtete sich auch das bekannte Bild von Schiller auf seinem Sockel und die Idee, das ganze angeleuchtet und bei Nacht in Szene zu setzen. Damit ließ sich alles Störende, das sich drumherum und am Himmel abspielt, eliminieren.

Und so schnappte ich eines warmen Sommerabends meine Kamera und mein Stativ und machte mich auf die Suche nach dem besten Standort und der besten Belichtung. Ca. eineinhalb Stunden schlich ich so um das Denkmal, sehr zur Verwunderung der Gäste die nebenan im Garten der Alten Kanzlei saßen und speisten...

Sonntag, 21. Oktober 2012

bornfree. (Leo Schopf)




Oftmals steckt man total im Sumpf des Alltages fest - gefangen in all seinen Pflichten, Verantwortungen, Regeln. Manchmal bricht die Resignation über das eigene, schwere Schicksal wie eine Woge über Dich hinein. Überspült Dich. Reißt Dich mit sich fort.

In solch einem Moment stand ich neben meinem Wäschetrockenständer.
Ärgerte mich einmal mehr über das leidige Thema Bügeln... Eine Sisyphus-Aufgabe. Und in dieser Situation fiel plötzlich mein Blick auf das "Born free"-Shirt.

Beiläufig zwischen Socken und Sportkleidung zum Trocknen aufgehängt. Und so wahr.

Ich musste laut lachen. 


Die Absurdität meiner Gedanken wurde mir auf einmal klar:

Warum regt man sich, als frei geborener Mensch voller Möglichkeiten, Chancen und Kreativität, überhaupt über solch triviale Themen wie Bügelwäsche auf?


Resignation und Hadern sind im Leben schlicht deplatziert.

Bewegung (Sylvia Friedt)



Bewegung

Ein fahrendes Auto, eine Uhr, Demonstranten vor dem Hauptbahnhof Stuttgart. Bewegung auf drei
Ebenen: räumlich, zeitlich, geistig-politisch. das macht dieses Bild für mich aus. Die Zeit läuft, alles ist
im Fluss, times they are a changing, panta rhei, Aufbruch, Veränderung. Wohin das Auto fährt, wohin
die Entwicklung geht, das weiß man nicht so genau. Und das ist spannend.

Technik: aufgenommen mit einer Canon PowerShot G11, Blende F/8, Belichtungszeit 1/13.

deplatziert (Sylvia Friedt)



deplatziert - auf den ersten Blick verwirrt der Titel, scheint nicht zu passen. worum geht es?

Eine Hauswand, dahinter und daneben ein weiteres Haus, im Hintergrund eine Treppe, Mülleimer, eine
Blumenschale. Die Wand trist, ein Fenster halb zugeklebt, ein Basketballkorb ohne Netz. Das ist es,
was mir in dieser Hofsituation deplatziert erschien. Unvorstellbar, dass hier in dieser engen düsteren
Atmosphäre Kinder spielen, lärmen, sich freuen und Körbe werfen. Doch irgendjemand hat einmal
diesen Korb aufgehängt, in der Hoffnung, etwas Freude in den Hinterhof zu bringen. Ich glaube,
langfristig ist ihm dies nicht gelungen.

Das Foto hat bei der Besprechung eine heftige und lange Diskussion ausgelöst und die Gruppe stark
polarisiert. Erstaunlich für ein so unscheinbares Motiv.

Formal sind für mich die klaren Formen, die Schatten, der starke Kontrast reizvoll. Das Bild ist
mehrfach gedrittelt, horizontal durch die Hausecke rechts, vertikal durch den Korb sowie dreifach
diagonal durch die Schatten und die Treppe.

A Stairway to Heaven (Sylvia Friedt)




Musiktitel bildlich umgesetzt – a stairway to heaven

Auf einer Wanderung kam ich an diese Treppe, und das Foto zum Thema "Musiktitel bildlich
umgesetzt" war im Kasten: A stairway to heaven.

Dies ist das "Original". Das Foto in der Ausstellung entstand durch versehentliches Bestellen im
Querformat. Wir fanden den Ausschnitt reizvoll.

Warum (Sylvia Friedt)




Warum?

Bei diesem Thema war mir ziemlich schnell klar, dass ich – aufgewachsen und seit fünf Jahren wieder
wohnhaft in Stammheim, das Stammheimer Gefängnis fotografieren wollte. Weil dieses Ding so viele
Warums beinhaltet.

Ich bin mit diesem Gebäude aufgewachsen, für mich war der Knast in Stammheim immer
etwas Normales. Die Polizeipräsenz, die Rufe der Gefangenen, die RAF-Prozesse – Teil meiner
Jugend. Später hab ich mich gefragt „warum sitzt einer hinter Gittern?“ „was hat er getan und
warum“ „warum hat er das sich und seinen Angehörigen und seinen Opfern angetan?“ „warum gibt
es Hass, Fanatismus, Terrorismus, Gewalt…?“ „warum ist das Leben wie es ist?“ …

Technik: weil die Aufnahme geplant war, hab ich ausnahmsweise mal die Spiegelreflex benutzt, eine
Canon EOS 1000D.

Meine SV (Sylvia Friedt)





meine SV. Ohne viel Worte!

Dieses Foto ist eines von über 200, die ich zu diesem Thema gemacht habe und sicher nicht das
Gefälligste.

Die Perspektive ist ungewohnt. Der Blick geht durch die Stäbe eines Geländers in einen nassen,
schmutzigen Treppenabgang. Blätter und Unrat liegen auf dem Betonboden. Rechts, halb verborgen,
befindet sich ein Lichtschacht. Ein Ausgang? Ein Ausweg aus dieser tristen Situation? Wenn ja, kein
leichter Weg.

That’s it. That’s all.

Rubjerg Knude - Deplatziert (Axel Niering)

Rubjerg Knude
Der Leuchtturm an der Rubjerg Knude in Dänemark interessiert und fasziniert mich schon seit Jahren. Eine Wanderdüne überrollt den Turm ganz langsam, irgendwann wird er ins Meer stürzen.
Zum Zeitpunkt seiner Errichtung befand er sich auf der höchsten Stelle einer Erhebung an der Küste. Ein idealer Ort. Schon bald jedoch entstand zu seinen Füßen eine Sanddüne, die immer höher wuchs und dem Turm immer näher kam. Zuerst versandete der Garten, dann der Brunnen. Schließlich war der Sand so hoch, dass man den Turm von See aus nicht mehr sehen konnte. Deplatzierter kann ein Leuchtturm kaum sein. Im Jahre 1968 musste er daher seinen Betrieb einstellen.
Der Sand wanderte weiter, begrub irgendwann die Wirtschaftsgebäude unter sich. Heute tauchen sie in Form einzelner Steine wieder auf.

Als nun das Lichtblick! Thema "Deplatziert" hieß und ich wieder mal in Dänemark war,stand meine Motivwahl schnell fest.

Wir sind an einem Abend im Juni hin gefahren, als die Schatten lang waren. Ich war fasziniert von der kleinen Wolkenkette, die der Form der Düne folgt und habe diese neben den Turm gesetzt. Die von der Seite strahlende Sonne entwickelt interessante Lichtspiele, die die Szenerie plastisch wirken lassen.

Die schwarz / weiß Entwicklung war zunächst nicht geplant, es zeigte sich aber, dass die Reduktion auf das Licht die Stimmung hier viel besser traf als die Farbversion.

Licht (Jürgen Weber)

Das Licht
Licht - Dieses Thema entwickelte sich zu meinem anspruchsvollsten und heikelsten Projekt meiner ganzen bisherigen Fotografenzeit. Sind wir doch mal ehrlich, wer möchte gerne mit den Themen Alter, Tod, Selbstmord, Altersheim konfrontiert werden?
Die Idee zu meinem Bild war schnell geboren. Doch wo finde ich eine Person die sich als Model zur Verfügung stellt? Wie spreche ich die Person an? 'Hallo, ich bin Fotograf und möchte mit Ihnen eine Sterbeszene aufnehmen'??? Ich rechnete mir keine großen Chancen aus, meine Idee in die Realität umzusetzen. Mir fiel aber ein, dass ich eine ferne Bekannte hatte, die in einem Seniorenheim arbeitet. Ich nahm Kontakt mit ihr auf und erklärte ihr meinen Plan. Sie erzählte mir, dass sie überwiegend mit an Demenz erkrankten Personen arbeitet. Das kam für mich garnicht in Frage. Ich suchte eine Person, der ich meine Idee vermitteln konnte und die auch bei vollem Bewußtsein hinter meinem Projekt stand. Einige Tage später rief mich meine Bekannte an, Sie hatte eine rüstige Rentnerin gefunden, die geistig kerngesund und bereit war, mich bei meinem Projekt zu unterstützen. Mein erster Kennenlernbesuch war zu Beginn ein kleiner Schock für mich. Ich trat ein in eine für mich völlig unbekannte Umgebung. In den Aufenthaltsräumen saßen viele alte Menschen, die in ihrer eigenen Welt lebten. Sie prabbelten  oder schimpften vor sich hin. Menschen, die unseren Respekt verdienen!
Sie alle waren einmal ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Doch das Thema Altern ist in unserer schnellebigen, modernen Welt tabu. Viele Senioren, so berichtet mir eine Pflegerin, werden von Ihren Angehörigen garnicht mehr besucht....
Ich traf nun die Frau, die bereit war bei meinem Projekt mitzumachen. Wir unterhielten uns viele Stunden. Sie erzählte mir ihre Lebensgeschichte. Von ihrem Bruder, der bei einem Autounfall ums Leben kam. Von ihrem Berufsleben. Sie hatte eine leitende Position und hatte ihr Leben lang in einen Firmen-Rentenfond eingezahlt. Nach einer Fusion der Firma, so berichtete sie mir, war der größte Teil ihres Rentenanspruchs verfallen. Heute lebt sie von einer kleinen Mindestrente und muss sich schon gut überlegen, ob sie sich einen Kaffee in der Cafeteria leisten kann. Die verbliebenen Angehörigen besuchten sie zum letzten Mal, als sie ihren Schmuck abholten....  Es gab viele Momente, die mich tief berührten und nachdenklich machten.

Ich besuchte die Dame noch einige Male. Wir fotografierten die Bilder für das Projekt und ich machte für Sie auch noch Portraitbilder, die ich ihr bei einem weiteren Besuch vorbeibrachte.

Zur technischen Umsetzung: Das Zimmer der Dame war wie geschaffen für das Bild. Wir trapierten ihre Familienbilder auf dem Nachttisch und legten eine offene Medikamentenrolle dazu. Der Rollstuhl suggeriert Alter, Eingeschränktheit, Krankheit - die betenden Hände und der Engel an der Wand dagegen die Hoffnung. Das auf den Boden gefallene Glas soll den Eindruck noch weiter verstärken, dass sie den letzten Schritt selber gegangen ist.
Am Rechner wurden zwei Bilder zusammengefügt. Die liegende und die sitzende Dame. Der Lichtschein, dem sie entgegenschweben möchte, wurde digital in das Bild eingefügt.

Samstag, 20. Oktober 2012

Spiel mit dem Feuer (Jürgen Weber)

Adam Apfel Eva

Spiel mit dem Feuer - tolles Thema! Bei dieser Lichtblick-Aufgabe konnte man seiner Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen. Ich überlegte mir: Wo kommt die Redewendung her - wer hat denn damit begonnen mit dem Feuer zu spielen? Während ich so darüber nachdachte, kam es mir in den Sinn, dass ja eigentlich Eva der erste Mensch war, der das Spiel mit dem Feuer begann, als sie Adam den Apfel anbot.  Auch wenn die Redewendung sicher nicht aus der Bibel stammt - die Idee für das Bild war geboren.
Da ich ja des öfteren bei unseren Treffen zu hören bekomme, meine Bilder wären plakativ - wollte ich meine Lichtblick-Kollegen nicht enttäuschen und habe in die Vollen gegriffen - schließlich soll man sich und seinem Stil ja treu bleiben...   ;-)

Was gibt es zur Entstehung des Bildes zu sagen: Nun, bei noch keinem Bild habe ich so viele Stunden mit der Bildbearbeitung verbracht wie bei diesem. Zuallererst natürlich das Shooting - vielen Dank F. und N. (Zum Schutz der Personen vor Mißbrauch sind die Gesichter hier unkenntlich gemacht - In der Ausstellung ist aber das Originalwerk zu sehen)

Zum Bild selbst: Das Bild ist eine Collage aus 7 Einzelbildern:
- Dschungel
- Models
- Flamme
- Schlange links
- Schlangen rechts
- Vordergrundblätter links
- Blume links

Die größte Herausforderung war es nun alles so zusammenzubasteln, dass es einigermaßen natürlich aussieht. Jedes einzelne Motiv musste freigestellt werden und in das Gesamtbild eingepasst werden. Dann musste die Lichtstimmung angepasst werden, denn jedes Motiv wurde natürlich unter anderen Lichtbedingungen fotografiert. Anschließend gab es eine digitale Haarverlängerung. Schattenwürfe wurden erstellt, z.B. bei der Schlange links und der Blume. Zum Schluß gab es noch kleinere Optimierungen. Da wurde z.B. rund um die Flamme ein gelber Schein erzeugt und noch viele weitere kleinere Korrekturen.

Das Gesamtwerk entstehen zu lassen hat richtig Spaß gemacht und das Ergebnis kann sich doch sehen lassen, oder?